Montag, 28. Februar 2011

Fazit zu Kaspar Hauser


Nachdem nun einige Zeit über dieses Thema diskutiert wurde, soll nun ein Resümee über Kaspar Hauser gezogen werden.

Friedrich Benesch vertrat zum Thema Kaspar Hauser in einem Stuttgarter Gesprächskreis ca. 1984 diese Ansichten: Das Thema Kaspar Hausers war, dass er erleiden musste, wie er von dem ihm eigentich vorgezeichneten Weg abgedrängt worden war. Denn mit Kaspar Hauser hätte jemand auf dem badischen Königsthron gesessen, vor dessen Augen die geistige Welt so offen gelegen hätte wie vor Rudolf Steiners Augen. Nun ist Kaspar Hauser von seiner Mission völlig abgedrängt worden. Dieses Schicksal, eben nicht sein Schicksal finden zu können, erleiden heutzutage sehr viele Menschen, wenn sie aufwachsen. Für diese Menschen könnte Kaspar Hauser eine "Stütze", eine Hilfe sein; auf jeden Fall hat er wohl in URBILDLICHER Art und Weise dieses von seinem Weg abgedrängt zu werden, erleiden müssen und entsprechend repräsentiert er heutzutage im Kosmos eine entsprechende Kraft.

Ergänzung am 1. März

Nun war es so, dass Kaspar Hausers Individualität mit dessen Volljährigkeit, wenn also mit 21 Jahren das "Ich" des Menschen geboren wird, dabei war, diese brutale Anti-Erziehung zu überwinden, die er eben hatte erleiden müssen. Kaspar Hauser hatte Fortschritte gemacht, die die ehemaligen Wächter seiner Gefangenschaft entsetzen musste. Es bestand die Gefahr, dass er sich sogar an seine ersten Kindheitstage hätte erinnern können. Insofern musste das "anti-pädagogische Experiment", das mit ihm versucht worden war, als gescheitert angesehen werden. Darum musste er sterben!

Ergänzung am 2. März

Der durch die deutsche Klassik vorbereitete geistige Raum in Süddeutschland sollte „die neue Gralsburg der neuen Geistesstreiter und die Wiege künftiger Ereignisse“ (RS) werden. Durch diesen Mord hatte Bismarck (1815-1898) dann später auch keinen Mitakteur bei seiner dann letztlich verfehlten Reichsgründung, da diese ohne grundlegende Ideen blieb.

Ergänzung am 3. März

Steiner gegenüber einem Teilnehmer des Koberwitzer Kurses 1924: Er habe geistig untersucht da, wo Hauser sich inkarniert hatte, und dort, wo er ermordet wurde. Er habe weder eine vorhergehende noch folgende Inkarnation finden können. Es handle sich um ein höheres Wesen, das eine besondere Mission auf Erden hatte. (GA 104, 6. Vortrag; GA 222, 2. Vortrag). Dies belegt, dass Kaspar Hauser heutzutage aus seinem erlittenen Schicksal ein Helfer der Menschen sein kann, ein "Avatar": Ein höheres Wesen, welches keinen Grund hat, ein Karma auf sich zu nehmen, sich aber dennoch verkörpert und so SELBSTLOS die Früchte des Erlittenen zur Befähigung der Menschheit verwenden kann. Zitat Steiner: Christus ist der größte Avatar aller Zeiten!

Vielen Dank an die Verfasser für die wertvollen Hinweise!

Sonntag, 20. Februar 2011

Neue Bestrebungen der Naturwesen

Im Buch "Elfensommer" (2001) von Tanis Helliwell gibt es eine Passage, die Rudolf Steiner maßgeblich mit neuartigen Verhaltensweisen der Naturwesen in Verbindung bringt. Dies wäre nur logisch, weil in unserer Zivilisation eine wirklich gesunde Lebensweise vielen Menschen allein durch das Studium der Anthroposophie eröffnet wird. Rudolf Steiner sei demnach dafür verantwortlich, dass die Naturgeister heute auf die Menschen zugehen, besonders auf Menschen, die eine gesunde Lebensweise pflegen.

"Daß Kinder immer schon eine größere Offenheit für Wahrnehmungen im Grenzbereich des sinnenfällig Wahrnehmbaren haben, ist weithin bekannt. Nun aber häufen sich offenbar die Fälle, in denen aus der Sphäre des Lebendigen auch das Wesenhafte sich kundtun will. Fälle, in denen konkrete Wesenheiten gezielt auf einzelne Menschen zugehen, um sich mitzuteilen.

Vor zwei, drei Jahren schon überraschte Tanis Helliwell das deutschsprachige Leserpublikum mit ihrem "Elfensommer", in dem die Kanadierin ihre in Irland spielenden bzw. dort zuerst einsetzenden Begegnungen mit den Leprechauns, einer bestimmten Art von Elementarwesen, schildert. Bereits bei ihr ist das Neuartige, daß die Naturwesen von sich aus entschieden auf den betreffenden Menschen zugehen, von sich aus mit ihm Verbindung aufnehmen und kommunizieren möchten. Unter den Freunden der anthroposophischen Sache brachte der "Elfensommer" zudem eine weitere kleine Aufregung mit sich, indem da geheimnisvoll angedeutet wird, daß Rudolf Steiner mit diesen neuartigen Bestrebungen der Naturwesen maßgeblich in Zusammenhang steht."
Quelle: Flensburger Hefte"

Dienstag, 18. Januar 2011

Rudolf Steiner über Kaspar Hauser

Was war die Mission Kaspar Hausers?

Rudolf Steiner:

"Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand die Gefahr, daß die Verbindung zwischen der geistigen Welt und der physischen Welt – zwischen der geistigen Welt und dem Bewußtsein der Menschheit – vollständig unterbrochen würde. Da mußte es einen Menschen geben, der in der physischen Welt lebte und dennoch wahre und richtige geistige Erfahrungen haben konnte. Das war die Mission Kaspar Hausers – diese Verbindung zwischen der geistigen und der physischen Welt aufrechtzuerhalten, bis im Jahre 1879 wieder ein Michaelzeitalter kommen würde. Kaspar Hauser war tatsächlich die Individualität, die diese Verbindung aufrechterhielt."

Paul Michaelis:

Das Gespräch kam "auf die Bestrebungen römischer und westlicher Logen, und in diesem Zusammenhang habe Dr. Steiner mit größtem Ernst betont, daß drei Aufgaben zu lösen seien, deren Ergebnis für die Zukunft von ganz besonderer Wichtigkeit sei:

1. Die Frage nach den beiden Johannessen
2. Wer war Demetrius?
3. Woher kam Kaspar Hauser?

Bei allen drei Problemen sei es von besonderer Wichtigkeit, daß die Blickrichtung nicht auf den Tod hin gewählt würde, sondern auf die Geburt hin. Woher kamen sie, und mit welchen Aufgaben? Jene Individualität, die hinter dem Kaspar-Hauser-Schleier verhüllt wurde, sei eine Wesenheit, welche inspirierend in den Rosenkreuzerzusammenhängen von Anfang an gewirkt habe und sich dann inkarniert habe am 29. September 1812 als erster Sohn des badischen Großherzogs Karl Ludwig und seiner Gemahlin Stefanie von Beauharnais. Hauser habe eine wichtige Mission des esoterischen Christentums zu erfüllen gehabt. Dann sagte Dr. Steiner, daß bestimmte okkulte Kreise – die zu den Freimaurern gehörten und unter jesuitischem Einfluß standen – Kaspar Hauser für ein Experiment gebrauchten resp. mißbrauchten."

Karl Heyer, "Kaspar Hauser und das Schicksal Mitteleuropas im 19. Jahrhundert", 1999:

"Es sei hier ein Nachtrag gemacht zu meinem Buche "Kaspar Hauser und das Schicksal Mitteleuropas im 19. Jahrhundert" (Kreßbronn/Bodensee 1958) in Gestalt eines wichtigen Ausspruches Rudolf Steiners. Dieser Ausspruch wurde mir erst vor einiger Zeit mit einem genügend hohen Grade der Verbürgtheit bekannt. Er ist vermittelt worden durch Adolf Arenson.

Angesichts des gewaltsamen Todes Kaspar Hausers im Jahre 1833, als er 21 Jahre alt war, ist oft die Frage aufgeworfen worden, warum die Gegner des Unglücklichen ihn nicht bereits als Kind umgebracht haben. Auf diese Frage gibt es manche mögliche
Antworten. Der gemeinte Ausspruch Rudolf Steiners beantwortet die Frage in einer auf tiefe okkulte Tatsachen hinweisenden Art. Er besagt: die Gegner Kaspar Hausers hätten ihn deshalb nicht schon als Kind umgebracht, weil er sich dann alsbald
wieder hätte verkörpern können und die betreffenden Gegner dies gewußt hätten.

Dieser Ausspruch muß natürlich in die gesamten vielschichtigen Zusammenhänge hineingestellt werden, die in dem genannten Buch sichtbar zu machen versucht wurde. Diese können hier jetzt natürlich nicht wiedergegeben werden. Nur das sei bemerkt, daß offenbar das Zeitmoment hier eine entscheidende Rolle gespielt hat: Kaspar Hauser hätte in einer bestimmten weltgeschichtlichen Stunde, um es einmal so auszudrücken, ‹aktionsfähig› sein müssen, wenn er zu derjenigen Wirksamkeit sollte kommen können, die seine Gegner hintertreiben wollten. Später (1833 und wohl schon 1829) mochte daher eine alsbaldige Wiederverkörperung nicht mehr in Frage kommen, auch den Gegnern sein gewaltsamer Tod trotz aller für sie damit verbundenen Risiken als das kleinere Übel erscheinen im Hinblick auf die für sie gefährliche Bewußtseinsentwicklung, die er inzwischen durchgemacht hatte."

Quelle:
Thomas Meyer, Karl Heyer und das Schicksal seines Kaspar-Hauser-Werkes

Sonntag, 9. Januar 2011

Die Wahrheit über Kaspar Hauser

Rudolf Steiner bezeichnete das 17jährige Findelkind Kaspar Hauser (* 29.9.1812) als "versprengten Atlanter" - eine Seele, die seit der atlantischen Kulturstufe nicht mehr inkarniert war, da diese reine Seele keinen geeigneten Körper finden konnte. Hauser wurde durch die Isolationshaft beiseite geschafft, weil er der legitime badische Thronfolger war. Steiner teilte mit, daß es von der geistigen Welt vorbestimmt war, daß Süddeutschland unter Kaspar Hausers Regentschaft Gralsgebiet werde und Hauser nach der Revolution 1848 König von Deutschland werde.

Doch seine Widersacher hatten sich verbündet: Steiner sieht im Mord an den 21jährigen Kaspar Hauser eine Tat, für die sich zum allerersten Mal in der Menschheitsgeschichte jesuitische Kreise mit den englischen Logen (Freimaurern) verbündet hatten. Kaspar Hausers Seele war so rein, dass sie seit der Atlantis keinen geeigneten Körper zur Inkarnation finden konnte. Als die Paulskirchenversammlung 1848 einen König für die parlamentarische Monarchie suchte, war Hauser als deutscher König vorbestimmt. So wären die besten badischen Traditionen - Liberalität, Presse-, Meinungsfreiheit, Volksnähe, Fortschritt usf. - in Deutschland verankert worden. Stattdessen setzte sich der preussische Militarismus unter Kaiser Wilhelm durch. Letztlich führte auch dies zu den beiden Weltkriegen.

Die Phoenix-Dokumentation (s. Videos unten) zeigt die Kellerverliese der Schlösser Beuggen (Sitz des Deutschen Ordens) und Pilsach, in denen Kaspar Hauser eingesperrt wurde. Sowie das Holzpferd, das sein einzigster Freund war. DNA-Untersuchungen aus 2002 bestätigen, dass der an Pfingsten 1828 in Nürnberg aufgetauchte Unbekannte der Sohn von Großherzog Karl und seiner Frau Stephanie und somit rechtmäßiger badischer Thronfolger war. Sie finden hier die Dokumentation; die Genanalyse ab Position 6:00.

Aquarelle Kaspar Hausers



Donnerstag, 11. November 2010

Biologisch-dynamische Landwirtschaft

Dieses Zitat Rudolf Steiners beschäftigt sich mit der Schädlingsbekämpfung, Literatur: "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft", 7. Vortrag, GA 327, S.189f.

Die naturintimeren Wechselwirkungen:
Das Verhältnis von Feldwirtschaft, Obstwirtschaft und Viehzucht

"So wie der Nadelwald eine intime Beziehung zu den Vögeln hat, die Sträucher eine intime Beziehung zu den Säugetieren haben, so hat wiederum alles Pilzige eine intime Beziehung zu der niederen Tierwelt, zu Bakterien und ähnlichem Getier, zu den schädlichen Parasiten nämlich. Und die schädlichen Parasiten halten sich mit dem Pilzartigen zusammen, sie entwickeln sich ja dort, wo das Pilzartige in Zerstreuung auftritt. Und dadurch entstehen jene Pflanzenkrankheiten, entstehen auch gröbere Schädlichkeiten bei den Pflanzen. Bringen wir es aber dahin, nicht nur Wälder zu haben, sondern Auen in entsprechender Nachbarschaft der Landwirtschaft, so werden diese Auen dadurch ganz besonders wirksam werden für die Landwirtschaft, daß in ihnen ein guter Boden vorhanden ist für Pilze. Und man sollte darauf sehen, daß die Auen besetzt sind in ihrem Boden mit Pilzen. Und da wird man das Merkwürdige erleben, daß, wo eine Aue, eine pilzreiche Aue, wenn auch vielleicht gar nicht von starker Größe, in der Nähe einer Landwirtschaft ist, daß da dann diese Pilze nun durch ihre Verwandtschaft mit den Bakterien und dem anderen parasitären Getier dieses Getier abhalten von dem anderen. Denn die Pilze halten mehr zusammen mit diesem Getier, als das die anderen Pflanzen tun. Neben solchen Dingen, wie ich sie angeführt habe zur Bekämpfung solcher Pflanzenschädlinge
(s. weitere Vorträge), besteht auch noch die Möglichkeit, im Großen die Möglichkeit, durch Anlegung von Auen das schädliche Kleingetier, das schädliche Kleinviehzeug von der Landwirtschaft abzuhalten.

In der richtigen Verteilung von Wald, Obstanlagen, Strauchwerk, Auen mit einer gewissen natürlichen Pilzkultur liegt so sehr das Wesen einer günstigen Landwirtschaft, daß man wirklich mehr erreicht für die Landwirtschaft, wenn man sogar die nutzbaren Flächen des landwirtschaftlichen Bodens etwas verringern müßte. Jedenfalls übt man keine ökonomische Wirtschaft aus, wenn man die Fläche des Erdbodens so weit ausnutzt, daß alles das hinschwindet, wovon ich gesprochen habe, und man darauf spekuliert, daß man dadurch mehr anbauen kann. Das, was man da mehr anbauen kann, wird eben in einem höheren Grade schlechter, als dasjenige beträgt, was man durch die Vergrößerung der Flächen auf Kosten der anderen Dinge erreichen kann. Man kann eigentlich in einem Betriebe, der so stark ein Naturbetrieb ist wie der landwirtschaftliche, gar nicht darinnen stehen, ohne in dieser Weise Einsichten zu haben in den Zusammenhang des Naturbetriebs, die Wechselwirkung des Naturbetriebs."

Link zum gesamten Vortragstext, GA 327

Donnerstag, 17. Juni 2010

Christus, Luzifer und Ahriman


1. Der menschliche Astralleib
Der Astralleib (=Empfindungskörper) ist das menschliche Wesensglied, welches vom 14. bis 21. Lebensjahr den physischen Körper durchdringt. Der Astralleib ist von nicht-stofflicher Beschaffenheit und erzeugt diejenigen Gefühle, welche nicht auf direkter Wahrnehmung beruhen: Sympathie, Phantasie, Freude, aber auch Unlust, Unzufriedenheit, Neid, Spottsucht oder Antipathie. In den Astralleib senkt sich ab dem 21. Lebensjahr allmählich das Ich hinein, welches mit Ausgestaltung der Bewusstseinsseele (35. - 42. Lebensjahr) zur Reife gelangen soll; siehe auch Fische-Zeitalter 1413 n. Chr. - 3573). Welche positiven Funktionen haben die "Widersacher" Luzifer und Ahriman, die uns ständig vom Guten trennen?

2. Luzifer

Luzifer, der "Lichtträger", bringt dem Menschen die Freiheit und die Erkenntnis von gut und böse. Daraus ergibt sich auch die Möglichkeit, daß der Mensch sich in moralische Verfehlungen verstricken kann. Freiheit ist notwendig, damit der Mensch ein moralisch eigenverantwortliches Wesen werden kann. Luzifer ist zwar für die unreife Seele ein Widersacher, der sich den göttlichen Schöpfermächten entgegenstellt, aber er fördert durch seinen Widerstand zugleich unsere Entwicklung. Er darf also keineswegs als einseitig böse geistige Macht angesehen. Die Heilkraft Christi bezieht sich besonders auf den Astralleib, der die Quelle unserer Selbstheilungskraft ist. Laut RS sind Leid und Krankheit von guten Mächten herbeigeführt, damit Freiheit und Erkenntniskraft nicht länger mißbraucht werden. "Unser Unterbewußtsein weiß: Mein Schmerz ist die Folge meiner Verfehlungen. Mein Schmerz ist ein Erzieher, der mir die Befreiung von meinen Lastern nahebringen will".

Im Sinne des Guten wirkt Luzifer, wenn die Menschen durch Luzifer das Licht der Weisheit und den Sinn für die Schönheit der sinnlichen Welt wahrnehmen. Wissenschaft und Kunst sind eine Gabe Luzifers, ebenso auf Erkenntnis gegründete moralische Einsicht. Ohne ihn gäbe es die menschliche Kultur nicht. Luzifer wollte den Menschen in die sinnliche Welt hineinführen, aber es lag nicht in seinen Absichten, ihn zugleich so fest an die materielle Welt zu binden, wie das mittlerweile der Fall ist.

In der Bibel wird Luzifer durch die Schlange symbolisiert, die sich in das Paradies schleicht und den Menschen dazu verführt, vom "Baum der Erkenntnis" zu essen. Dadurch werden dem Menschen die Sinne für die äußere Welt geöffnet und seine sinnlichen Begierden geweckt. Der Mensch wurde dadurch früher und tiefer in die sinnliche Welt verstrickt, als es ursprünglich vorgesehen war. Als Folge des luziferischen Einflusses wird dem Menschen der unmittelbare Anblick der übersinnlichen Welt entzogen: Er wird aus dem Paradies verstoßen. Das rein geistige Wesen, das der Mensch einmal war, steigt herab in die sinnliche Welt und nimmt hier physisch-körperliche Gestalt an. Weil der Mensch nun ein stofflich-körperliches Wesen wird, verliert er seine ursprüngliche Unsterblichkeit und nimmt den Tod in seine körperliche Natur auf.

Die Geschlechtertrennung ist eine unmittelbare Folge des luziferischen Einschlags. Der Mensch, der nicht länger das reine unverfälschte Abbild des göttlichen Wesens war, wurde zum in Mann und Frau gespaltenen Bild der geistigen Schöpfermächte. Es begann der Kreislauf von Geburt und Tod, die Menschheit entwickelte sich in Rassen, Stämme und Völker. Andererseits wird dadurch die Voraussetzung für die Individualisierung des Menschen geschaffen. Der Mensch wird selbstständiger; Luzifer bringt individuelle Freiheit und damit leider auch die Möglichkeit zum Egoismus.

3. Ahriman

Den anderen Widersacher bezeichnet RS als Ahriman: Er ist der Gott der Finsternis und wird in der Bibel als Satan bezeichnet, in Goethes Faust als Mephistopheles, von hebräisch "mephiz" (Verderber) und "tophel" (Lügner). Durch Ahrimans Wirken verdunkelt sich dem Menschen der Einblick in die übersinnliche Welt, er nimmt nur noch das Materielle in seiner Umgebung wahr. Die Materie ist das Reich Ahrimans. Ahrimans Macht bewirkt, daß der Mensch sich in der materiellen Welt verliert und die geistige Welt wie durch einen Nebel oder Schleier verhüllt wird. "Stellen Sie sich vor, Sie blicken in die Natur, sehen Pflanzen, Tiere, Ihre Mitmenschen - und anerkennen nur das Körperliche."

"Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben", sagte der auferstandene Christus zum ungläubigen Thomas. Ahriman bewirkt, daß die Menschen die geistige Welt nicht kennen. Seine Kraft verstärkte sich mit Aufkommen der exakten Wissenschaften im 15. Jahrhundert. Ahriman verleitet die Menschen zu Lüge und Irrtum - newusst wie unbewusst. Die Folge ahrimanischer Verfehlungen ist ein schlechtes Karma in form von Schicksalsschlägen. Sein Wirken ist aber nicht als böse im absoluten Sinn zu bezeichnen. Das Wirken Ahrimans kann auch als Opfertat verstanden werden, die einen wertvollen Beitrag für die gesamte Weltentwicklung leistet. Ahriman können wir transformieren, wenn wir den Menschen in lebendiger Einheit mit der Natur und dem Kosmos sehen. Die Heilung des Karma geschieht durch den Heiligen Geist, der Einsicht der geistigen Wahrheiten und spirituelle Erkenntnis vermittelt. Darüberhinaus bezeichnet RS Christus als den "Lord of Karma".

4. Beziehung zwischen Luzifer und Ahriman

Der Mensch findet also in der Außenwelt die Materie vor - in seinem Inneren das Gewissen und die Erkenntnis von gut und böse. Luzifer ist der Geist der substanzlosen Visionen und Illusionen, der den Menschen von der Erde hinwegheben will in sein flüchtiges Reich. Ahriman dagegen will uns in die rein materielle Welt herabziehen. Allein im Gleichgewicht zwischen diesen erdenflüchtigen luziferischen und erdensüchtigen ahrimanischen Kräften kann der Mensch seine wahre Freiheit finden.

Literatur:
Rudolf Steiner, Wie finde ich Christus und was tut der Engel an meinem Astralleib, Zürich 1918

Mittwoch, 16. Juni 2010

Rudolf Steiner über das Höhere Selbst

Engel aus anthroposophischer Sicht
Literatur: "Was tut der Engel in unserem Astralleib? Wie finde ich den Christus?", Zürich am 9. und 16. Oktober 1918

1. Gut und Böse
Rudolf Steiner (RS) beschreibt die Dialektik von Gut und Böse derart: Das Böse ist ein zeitversetztes Gutes - ein ursprünglich Gutes, das anstatt sich weiterzuentwickeln in der unveränderten früheren Gestalt in einem späteren Zeitalter der Menschheitsentwicklung nachwirkt. Böses kann aber auch dadurch entstehen, dass etwas, das erst in einem späteren Zeitalter wirksam werden soll, in unreifer Form zu früh auftritt. Der Kampf zwischen Gutem und Bösem besteht in der Auseinandersetzung des Früheren mit dem Späteren, des Alten mit dem Neuen. Die Evolution bedarf des Bösen als notwendigem Gegengewicht zum Guten; damit der Mensch frei sein kann, muss es auch die Möglichkeit zum Bösen geben. Die Aufgabe des Erden-Menschen besteht darin, Liebe zu erlernen, d.h. sich in Freiheit für das Gute zu entscheiden. Nur durch den Ausgleich beider kann das Weltenziel erreicht werden. Das Urgeheimnis des Bösen hängt nach Dr. Steiner mit dem „Streit am Himmel“, einer Art Krieg in der geistigen Welt, zusammen.

2. Der Mensch, Geist der Freiheit und Liebe

Wir Menschen stehen in der Entwicklung über Tier-, Pflanzen- und Mineralienreich. Es besteht die Gemeinsamkeit mit dem Tierreich, daß auch die Tiere einen Astralleib (Empfindungskörper) haben, um Gefühle zu empfinden. Pflanze, Tier und Mensch haben alle drei einen Ätherleib. Er ist der Träger der lebendig wirkenden Weltgedanken, welche die Lebensformen der Natur hervorbringen. Er wirkt als Lebenskraft, die die Vorgänge des Organismus aufrechterhält und die Stoffwechselprodukte sowie das Wasser an den richtigen Ort im Körper bringt.

3. Engel

Engel sind Wesen, welche in der Hierarchie direkt über uns Menschen stehen. Sie haben keinen physischen Leib, sondern einen Ätherleib (unsichtbarer Vitalkörper) als unterstes Wesensglied. Auch wenn sie nicht sichtbar sind, ist ihre Anwesenheit sehr stark erlebbar: Jedes Kind hat einen Schutzengel, einen Genius an seiner Seite. Der Genius wird zurecht als das Höhere Selbst bezeichnet und meint jenen Teil der Seele, der nicht inkarniert ist und sich in der geistigen Welt aufhält. Die Engel bewirken in uns das moralische Gewissen: indem sie unser Gewissen mit positiven oder negativen Gefühlen speisen, entstehen unsere individuellen Werte- und Moralvorstellungen. Bei Kindern ist der Schutzengel immer präsent, bei Erwachsenen ist diese Verbindung oft gestört, z.B durch Alkohol- oder Drogenmißbrauch, Egoismus, gewissenloses Handeln. Unser Gewissen erhält vom Genius im wesentlichen Impulse zu drei Tugenden:

1. Nächstenliebe
2. Geisteserkenntnis, d.h. daß sie uns zu geistig-seelischer Entwicklung auffordern
3. Religionsfreiheit, d.h. daß jeder seine Mitmenschen liebe, egal welcher Religion sie angehören

Wenn der Mensch gegen sein Wissen und Gewissen unmoralisch handelt, dann widersetzt er sich den Impulsen seines Engels. Der Engel wird laut RS dann seine Impulse an den schlafenden Menschen geben. Das hat fatale Folgen hat: Da Astralleib und Ich im Schlaf aus den Körper herausgehen, befindet sich im schlafenden Körper nur der lebenserhaltende Ätherleib (weshalb die griechische Kultur den Schlaf als den kleinen Bruder des Todes bezeichneten).

Der Engel trifft also auf den Ätherleib und vollbringt daran seine Arbeit. Dieses Schaffen bringt nun ein völlig anderes Resultat hervor. Der Engel handelt so, wenn ein Mensch sich bewusst entscheidet, nichts an sein Gewissen heranzulassen. Man kann sagen, weil der Mensch sich so entscheidet, wird auch sein Engel sich so verhalten. Und was passiert durch den Impuls des Engels auf den menschlichen Ätherleib? Es kann nicht ein gesundes, ordnendes Gewissen entstehen, sondern dessen Gegenteil. Es kommt zu Erkenntnissen instinktiver, unbewußter Art. Und wozu führen unbewußte Einsichten? RS beschreibt drei Folgen:

1. Das Ablehnen der Nächstenliebe und Brüderlichkeit verstärkt die Ichbezogenheit. Durch entartete Sexualkräfte gelangt ein schädlicher Einfluß ins menschliche Blut, gewissenlose Menschen, so Steiner, werden zu "halben Teufeln". Gesellschaftliche Zersetzungsphänomene zeigen sich am dramatischen Anstieg von Gewalt, Kriminalität, Prostitution, Alkohol- und Drogenmißbrauch in den letzten Jahrzehnten.

2. Wenn der Mensch die bewußte Geisteserkenntnis ablehnt, kommt es zu unkontrolliertem technischen Fortschritt: enorme Maschinenkräfte werden zu egoistischen Zwecken freigesetzt (man denke an Atomkraft, Gentechnik, Rüstungsindustrien). Es scheint, als geriet die Technik im Laufe des 20. Jahrhunderts außer Kontrolle. Soziale und ökologische Katastrophen sind die direkten Folgen.

3. Das Leugnen der Heilkraft Christi führt zum materialistischen Atheismus, z. B. in Naturwissenchaft, Forschung, Medizin. Der Mensch, jenes geistige und hochkomplexe Wesen, wird dann als eine Art Computer betrachtet. Eine ungesunde Lebensweise führt dazu, daß seelisches Wachstum kaum mehr möglich sei.

"Du mein himmlischer Freund, der du mich zur Erde geleitet
Und mich geleiten wirst durch die Todespforte
In die Geistesheimat der Menschenseele.

Du, der die Wege kennst seit Jahrtausenden,
Lasse nicht ab, mich zu erhellen,
Mich zu erkraften, mir zu raten,
Dass ich aus dem webenden Schicksalsfeuer
Als ein stärkeres Schicksalsgefäss hervorgehe
Und mich immer mehr erfüllen lasse
Mit dem Sinn der göttlichen Weltenziele."
~ Ernst Karl Plachner 1896-1982